Montag, 26. Februar 2018

Wind, Wetter und eine eindrucksvolle Abwesenheit: Ein Ausflug zur Mårup Kirke bei Lönstrup

Wind, Wetter und eine eindrucksvolle Abwesenheit: Ein Ausflug zur Mårup Kirke bei Lönstrup. Auf Küstenkidsunterwegs berichte ich Euch von der Faszination, die die Kirche von Mårup auf Besucher ausübt und über die Auswirkungen von Stürmen und Salzwasser an der Steilküste südlich von Lönstrup. Ein toller Ausflugstipp für Euren Dänemark-Urlaub!

Hej, Ihr Lieben!
 
Ein weiteres Mal nehme ich Euch heute mit in mein geliebtes Dänemark, auf unseren Ausflug rund um unseren Urlaubsort Lökken. Ganz in der Nähe haben wir einen äußerst bizarren Ort mit einer ganz eigenen Faszination entdeckt: Die Mårup Kirke an der Steilküste bei Lönstrup.
 
Nein, ich muss mich sofort korrigieren: Wir haben die wunderschöne, alte Kirche von Mårup eben nicht entdeckt, nicht einmal mehr die Reste ihrer weißen Mauern oder ihre kargen Fundamente. Doch genau von dieser Abwesenheit und dem Wirken von Wind und Wetter an einer der dramatischsten Steilküsten Dänemarks handelt dieser Post.
 
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Wind, Wetter und eine eindrucksvolle Abwesenheit: Ein Ausflug zur Mårup Kirke bei Lönstrup. Auf Küstenkidsunterwegs berichte ich Euch von der Faszination, die die Kirche von Mårup auf Besucher ausübt und über die Auswirkungen von Stürmen und Salzwasser an der Steilküste südlich von Lönstrup. Ein toller Ausflugstipp für Euren Dänemark-Urlaub!
 
Wind, Wetter und eine eindrucksvolle Abwesenheit: Ein Ausflug zur Mårup Kirke bei Lönstrup
 
Unverhofft kommt oft: Von Überraschungen und dem Ungeplanten auf Reisen
 
Wie ich Euch ja schon auf Instagram erzählt habe, hat mich die Dänemark-Sehnsucht momentan fest im Griff. Aber da unsere nächste Reise ins Herzensland leider noch ein bisschen hin ist, schwelge ich einfach hier beim Schreiben in Erinnerungen und berichte Euch von unseren Ausflügen und Abenteuern aus unserem letzten Urlaub.
 
Obwohl wir einen guten Teil davon eigentlich planen, passiert manchmal auch etwas Unerwartetes oder unsere Erlebnisse fallen - das kennt Ihr ja vielleicht auch - ganz anders aus, als zuvor gedacht. Zum Glück! Denn das Überraschende und Ungeplante ist gerade auf Reisen manchmal das, was den tiefsten Eindruck hinterlässt.
 
So hätte ich nie gedacht, dass unser Ausflug zur Mårup Kirke bei Lönstrup bei mir so nachhaltig in Erinnerung bleibt. Dabei war das Wetter noch nicht einmal schön: Grau, nass und etwas diesig, wenngleich ziemlich windstill. Doch allein beim Anblick der Bilder laufen mir leichte Schauer den Rücken hinunter und ich weiß noch genau, was das für ein Gefühl war: Dort an der Abbruchkante der Steilküste zu stehen und auf etwas zu blicken, was eben nicht da ist.
 
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Wind, Wetter und eine eindrucksvolle Abwesenheit: Ein Ausflug zur Mårup Kirke bei Lönstrup. Der Anker der Fregatte "The Crescent" lag einst vor der Kirche.
 
Eindrucksvolle Abwesenheit: Die Kirche von Mårup bei Lönstrup

Denn um es gleich zu sagen: Die Kirche von Mårup, zu der unser Ausflug führen sollte, gibt es nicht. Oder vielmehr: Es gibt sie nicht mehr. Sie ist dahingegangen in Sturm und Wind, ebenso wie die Steilküste unter ihr, bis sie schließlich demontiert und abgetragen werden musste. Doch ihre Abwesenheit wirkt an diesem Ort viel stärker, als es ihre Anwesenheit je könnte.

Das bedeutet allerdings nicht, dass nichts da ist, wenn man zur Mårup Kirke fährt. Im Gegenteil: Bereits von dem kleinen Parkplatz aus, auf dem man gut sein Auto stehen lassen kann, sieht man die ersten Grabsteine und den riesigen Anker der englischen Fregatte "The Crescent" aufragen, der einst vor der Kirche stand. Nur die Kirche eben, die sieht man nicht. Und auch das deutlich sichtbare Wahrzeichen, der Anker, kündet von etwas, was der Vergänglichkeit anheim gefallen ist: Das Schiff, zu dem er gehörte, strandete und zerschellte 1808 vor der Küste von Lönstrup. Der Großteil der Seeleute überlebte das Unglück nicht, sie wurden auf dem Friedhof der Kirche begraben.

Wind, Wetter und eine eindrucksvolle Abwesenheit: Ein Ausflug zur Mårup Kirke bei Lönstrup. Der Friedhof rund um die Kirche droht ebenfalls die Steilküste hinab zu stürzen.

Kaum zu glauben, doch zu diesem Zeitpunkt befand sich die geweißelte Kirche von Mårup noch mehrere hundert Meter landeinwärts, bei ihrem Bau im 13. Jahrhundert sogar noch mehrere Kilometer. Aber wie überall an der Steilküste südlich von Lönstrup, z.B. in Nørre Lyngby und am Leuchtturm von Rubjerg Knude, nagten bereits damals Wind und Wetter, Sturmfluten, Salzwasser und heftige Winterstürme an Sand, Erde und Befestigungsanlagen, so dass die Abbruchkante immer näher rückte.

Eigentlich standen seit dem Beginn, seit der Errichtung der Mårup Kirke, alle Zeichen auf Vergänglichkeit - nur wusste es niemand. Und genau das ist heute das Faszinierende an diesem besonderen, einzigartigen Ort: Hier werden die Naturgewalten sichtbar, selbst an einem eher windstillen und nur leicht verregneten Tag wie unserem Ausflugstag. Das Ausgeliefertsein an die Elemente, die Hilflosigkeit des Menschen angesichts der Naturphänomene springt einem förmlich ins Gesicht - denn alle Versuche, die Mårup Kirke zu schützen und zu bewahren, erwiesen sich letztlich als völlig vergeblich.

Wind, Wetter und eine eindrucksvolle Abwesenheit: Ein Ausflug zur Mårup Kirke bei Lönstrup. Die Faszination des Abwesenden bewirkt eine besondere Atmosphäre und macht den Ausflug zu etwas Besonderem.

Wind, Wetter und eine eindrucksvolle Abwesenheit: Ein Ausflug zur Mårup Kirke bei Lönstrup. Die Faszination des Abwesenden bewirkt eine besondere Atmosphäre und macht den Ausflug zu etwas Besonderem.

Die Leerstelle, die die Kirche hinterlässt, macht dies deutlicher, als jeder Stein des Gebäudes es in seinem ursprünglichen Zustand je könnte. Doch es ist nicht nur die Abwesenheit der Kirche, die durch ihr Fehlen die Einzigartigkeit dieses Ortes herausstreicht; es ist auch die Abwesenheit derer, die beispielsweise als Fischer und Seefahrer in eben jenen Naturgewalten einen teils sehr grausamen Tod gestorben sind.
 Wind, Wetter und eine eindrucksvolle Abwesenheit: Ein Ausflug zur Mårup Kirke bei Lönstrup. Die Steilküste zwischen Lönstrup und Lökken verändert sich durch Wind und Wetter täglich.

Wind, Wetter und eine eindrucksvolle Abwesenheit: Ein Ausflug zur Mårup Kirke bei Lönstrup. Die Steilküste zwischen Lönstrup und Lökken verändert sich durch Wind und Wetter täglich.

Von ihrer Anwesenheit zeugen nur mehr ihre Gräber. Und auch diese nicht mehr lange: Teile des Friedhofs mussten bereits aufgegeben werden, der Rest wird sehr bald durch die Auswirkungen von Wind und Wetter mit den wenigen noch verbliebenen Sträuchern und windschiefen Bäumen die Steilküste hinabstürzen. Paradoxerweise werden so auch die Seemänner wieder der See zurückgegeben, der sie doch zumindest im Grabe zeitweilig entrissen waren.

Als Besucher dieses Ortes, den auch die Bewohner der Gegend beharrlich noch "Mårup Kirke" nennen, um zumindest noch das Gedächtnis zu bewahren, kann man entweder sehen, dass "hier nich' viel ist", wie ein älterer Herr mit süddeutschem Akzent neben mir grummelnd vermerkte. Oder man erblickt in der Abwesenheit von all dem genannten eine ungeheuer starke Anwesenheit, die an unserem Ausflugstag nur ganz zart durch das leichte Lüftchen unterstrichen wurde, das sich jedoch jederzeit zum Sturmwind erheben könnte, und durch die tosende See weit unter uns.

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Wind, Wetter und eine eindrucksvolle Abwesenheit: Ein Ausflug zur Mårup Kirke bei Lönstrup. Achtung, überall an der Steilküste im nördlichen Dänemark gibt es die Gefahr von Erdrutschen!

Die Steilküste südlich von Lönstrup: Gefährlich, aber schön

Zumindest aber sollte man die für dänische Verhältnisse zahlreichen Schilder und Warntafeln beachten, die vor dem drohenden Absturz warnen und selbst schon halb schief stehen. Die Tatsache, dass Übersetzungen darauf zu finden sind, verdeutlichen den Ernst der Lage, wenngleich man sie auch ohne Text verstehen würde.
 
 Bei all dem Abwesenden und Vergangenem sollte man zudem einen weiteren Umstand nicht übersehen: Die Steilküste ist, wenngleich gefährlich, dennoch unglaublich schön und bietet an vielen Stellen tolle Ausblicke.

Wind, Wetter und eine eindrucksvolle Abwesenheit: Ein Ausflug zur Mårup Kirke bei Lönstrup. Ein weiterer Ausflugstipp: Eine Wanderung zum Leuchtturm von Rubjerg Knude.

Wind, Wetter und eine eindrucksvolle Abwesenheit: Ein Ausflug zur Mårup Kirke bei Lönstrup. Ein weiterer Ausflugstipp: Eine Wanderung zum Leuchtturm von Rubjerg Knude.

Ihr könnt sie erleben, indem Ihr auf dem ausgewiesenen Weg (und bitte nur auf dem) zum Leuchtturm von Rubjerg Knude wandert, den Ihr bereits in einiger Entfernung südlich von Lönstrup aufragen seht. Auch dieser ist vom Verfall bzw. Absturz bedroht und bietet inmitten einer riesigen Wanderdüne ebenfalls ein ganz besonderes Erlebnis, das ich Euch nur ans Herz legen kann - solange es ihn noch gibt.

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Kennt Ihr auch solche Orte wie die Mårup Kirke, bei denen die Abwesenheit eine starke Faszination ausübt und deren besondere Atmosphäre einen nicht mehr loslässt? Wart Ihr vielleicht sogar einmal selbst dort?
 
Ahoi und immer Rückenwind
 
Eure Küstenmami

 
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Kommentare :

  1. Wir waren 2006 dort da stand die Kirche noch...Dieses Jahr geht's wieder in die Gegend mit den Enkeln...Die gab's 2006 noch nicht😙
    Meg

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    1. Oh, dann erstmal herzlichen Glückwunsch zu den Enkeln! Das ist ja toll, dass Ihr gemeinsam in den Dänemark-Urlaub fahrt :)

      Die alte Kirche hätte ich gerne gesehen - jetzt bleibt nur noch der Platz, auf dem sie einst stand, und auch der nicht mehr lange!

      Viele liebe Grüße vom Meer
      Küstenmami

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  2. Ich war 2009 das letzte Mal dort, und da gab es zumindest noch die weisen Aussenmauern. Das Dach war bereits abgetragen und der Anker bereits versetzt. Ich kenne das Areal schon seit 1976 und konnte seither die Macht der Natur beobachten. Jetzt werde ich in diesem Jahr diesen berührenden Ort erneut besuchen, um dann wohl endgültig Abschied von diesem besonderen Platz nehmen.

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    1. Ach, das muss spannend, aber auch traurig gewesen sein, den ganzen Prozess des Abtrags Stück für Stück mit zu verfolgen! Ich wünsche Euch noch einen schönen, letzten Besuch, denn wer weiß, wann der Rest des Areals von Wind, Wetter und Wellen verschlungen wird...

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  3. ...als Kind bin ich in der Kirche noch drin gewesen... ein ganz magischer Ort, den ich fast jedes Jahr besuche. Im Mai wieder! LG, Anja

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    1. Oh, dann musst Du unbedingt mal berichten, ob sich etwas verändert hat. In ein paar Monaten kann sich ja an der Steilküste viel tun! Ich finde den Ort auch "magisch", danke für das schöne Wort :)

      Viele liebe Grüße
      Küstenmami

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