Donnerstag, 16. Mai 2019

"Nur eine Kleinigkeit": Drei Mama-Lügen in einem unvollständigen Satz

"Nur eine Kleinigkeit": Drei Mama-Lügen in einem unvollständigen Satz. Auf Küstenkidsunterwegs zeige ich, warum all die vermeintlich kleinen Dinge im Familienalltag mit Kindern eben nicht unwichtig, unbedeutend und bloße Bagatellen sind. Ein Plädoyer für mehr Wertschätzung der Mütter bzw. Eltern und der Arbeit zu Hause!

Moin, Ihr Lieben!
 
"Ach, das ist doch nur eine Kleinigkeit!" Bekommt Ihr diesen Satz auch so oft zu hören? Oder denkt Ihr ihn vielleicht sogar manchmal selbst? Bei mir ist das tatsächlich so: Seit ich Mutter bin, fliegt mir dieses "nur eine Kleinigkeit" ständig um die Ohren, als sei es ein unabänderlicher Teil des Mama-Lebens.

Das macht mich so wütend - denn in den meistern Fällen ist das eine glatte Lüge! Was wir Mütter bzw. Eltern tagtäglich im Familienleben stemmen, besteht zwar aus lauter vermeintlichen "Kleinigkeiten", ist aber weder in den einzelnen Bestandteilen, noch als Ganzes und schon gar nicht in seiner Komplexität und im Hinblick auf die Tragweite und Verantwortung, die damit einher geht, etwas Kleines, Banales oder gar Selbstverständliches, wie es diese drei Wörter gern suggerieren.

Im Gegenteil: Hinter all den "Kleinigkeiten" des Mama-Alltags steckt eine unglaubliche Leistung, die Würdigung und Wertschätzung verdient, gerade weil sie nicht so ohne weiteres sichtbar ist  - und weil es ohne sie ein Familienleben, wie wir es kennen, nicht geben würde. Doch lest selbst:

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"Nur eine Kleinigkeit": Drei Mama-Lügen in einem unvollständigen Satz. Auf Küstenkidsunterwegs zeige ich, warum all die vermeintlich kleinen Dinge im Familienalltag mit Kindern eben nicht unwichtig, unbedeutend und bloße Bagatellen sind. Ein Plädoyer für mehr Wertschätzung der Mütter bzw. Eltern und der Arbeit zu Hause!

"Nur eine Kleinigkeit": Drei Mama-Lügen in einem unvollständigen Satz
 
Ein Tag voller Kleinigkeiten

Eine Sache stimmt: Mein Mama-Alltag besteht tatsächlich aus lauter Kleinigkeiten, also vielen kleinen Dingen. In meinem letzten Beitrag zur "WMDEDGT: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag"-Aktion von Frau Brüllen habe ich diese in "Ein Tag voller Kleinigkeiten" einmal aufgelistet. In meinem Artikel schildere ich einen kompletten Tagesablauf mit meinen Küstenkindern, vom morgendlichen Aufstehen bis zum abendlichen Ins-Bett-Bringen der Kids.

Ein Tag, der an-, aus- und teilweise sogar überfüllt ist von lauter mutmaßlich "kleinen" Dingen, die jedes für sich nicht viel zu sein scheinen, jedoch alle wichtig sind und ihren Platz in unserem Familienleben haben.

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"Nur eine Kleinigkeit": Drei Mama-Lügen in einem unvollständigen Satz. Ja, unser Alltag mit Kind besteht aus vielen kleinen Dingen! Deshalb ist er noch lange nicht eine Belanglosigkeit oder "mal eben schnell" zu schaffen.

Das Familienleben besteht aus Kleinigkeiten

Mehr noch: Ohne die das Familienleben gar nicht stattfinden würde, weil sie nämlich gar nicht klein, nebensächlich, unwichtig und unbedeutend sind, wie es das Wort "Kleinigkeiten" einem weismachen will. Zwar würde die Welt nicht untergehen und es würde auch keiner sterben, wenn ich, wie in dem oben genannten Beitrag geschildert, mal kein Geschenk einpacken würde, wir nicht zum Kinderturnen gingen oder die Wäsche einen Tag liegen bliebe. Faktisch bleibt sie übrigens tatsächlich manchmal liegen, und das in schlechten Zeiten nicht nur einen, sondern auch mehrere Tage ;)

Doch wenn ich sie nie erledigte, wenn wir nicht mehr mit den Kindern zu ihrem Sport gingen, keine Geschenke ein- oder zusammen auspackten, nicht mehr an Kindergeburtstagen teilnähmen, ich keine neue Seife, kein Shampoo und keine Anziehsachen, keine Gummistiefel, Spielsachen und Kinderbücher besorgen würde, ich sämtliche Socken liegen ließe, keine Nachrichten für Spieledates und Arzttermine verschicken, keine Ausflüge mehr organisieren, keine Kinder mehr bringen, holen und wieder bringen, keine Katzen mehr füttern und keine Pflanzen gießen, kein einziges Mal mehr das Klo säubern und schließlich auch keine Wäsche mehr machen würde - wie sähe unser Leben dann aus?

Richtig, wir hätten keins mehr, jedenfalls keins, das diesen Namen verdient, das schön, halbwegs rund und für uns und unsere Kinder lebenswert wäre. Denn es sind all die "Kleinigkeiten", die ich aufgezählt habe, und noch viele Hundert und Tausende mehr, die unser Leben zu dem machen, was es ist: Voll, ein bisschen chaotisch und dennoch wunderschön - eben keine "Kleinigkeit".

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Die "Kleinigkeit" Wäsche

Und nicht nur das: Viele der irrtümlich so titulierten "Kleinigkeiten" sind gar keine. Oft sind es komplexe Aufgaben oder Erledigungen, die selbst wieder zig Kleinigkeiten voraussetzen oder - womöglich noch aufeinander aufbauend und ineinander verschachtelt - enthalten. Und sie gehen keineswegs "leicht von der Hand" oder "ruckizucki", machen sich nicht "mal eben nebenher" oder gar "von alleine".

Ein gutes Beispiel ist die Wäsche, die man - oder leider doch oft frau - "nur" anschmeißen muss und die ja "ohnehin die Waschmaschine wäscht". Richtig, wir haben eine Waschmaschine, und ich bin zutiefst dankbar dafür, besonders wenn ich an die Jugendjahre meiner Urgroßmutter denke, die alles andere als witzig oder einfach gewesen sein dürften. Doch mit dem Drücken des An-Knopfes allein ist die Arbeit erstaunlicherweise nicht getan. Zwar setzt sich dadurch die hilfreiche Maschine in Gang, jedoch liegt die Wäsche damit noch lange nicht frisch und duftend im Schrank. Denn davor oder danach sind folgende Aufgaben in sich addierenden Zeitfenstern zu erledigen:

* Einsammeln der Wäsche, besonders der der Kinder, aus den Wäschekörben und im ganzen Haus: 5 Minuten

* Entleeren der Taschen, Entsorgen von Sand, Retten von Spielzeug und kleinen Münzen, Sortieren, Reisverschlüsse und Knöpfe schließen, ggf. Vorbehandeln, Befüllen der Waschmaschine mit Wäsche und Waschmittel, Einstellen: 5-10 Minuten

* Waschmaschine ausräumen und Wäsche aufhängen: 10 Minuten, besonders, wenn viele süße, kleine Socken dabei sind

* Getrocknete Wäsche von der Leine nehmen, in Körbe packen, hochtragen, in Zimmer verteilen und in Schränke packen: 10 Minuten.

Das sind insgesamt mindestens 30 Minuten. 30 Minuten nur für eine Wäsche - und Ihr könnt Euch vorstellen, wie viele Wäscheladungen wir mit zwei kleinen Kindern, zwei arbeitenden Erwachsenen und drei Katzen pro Woche waschen. Die Zeitangaben beziehen sich übrigens auf die Tage, wo alles glatt geht und ich nicht durch andere "Kleinigkeiten" unterbrochen werde, ein oder mehrere Wäschestücke besonders dreckig sind oder die Schwerkraft  bzw. der Nordwind ihre eigene, grausame Gesetzmäßigkeit gegenüber frisch gewaschenen Wäschestücken ausüben ;)

Ich verbringe also mehrere Stunden pro Woche, oft deutlich mehr als einen halben Arbeitstag, wenn noch Wintersachen, Kuscheltiere, Kissen, Schlafsäcke oder Matschsachen extra gereinigt werden müssen, nur mit Wäsche. Das finde ich ganz schön viel, und es zeigt einmal in Zahlen, dass der auf auf vielen Instagram-Accounts scherzhaft als "Mount Washmore" vorgeführte "Wäscheberg" tatsächlich einer ist - und schon allein durch die Zeit, die er verschlingt, alles andere als eine Banalität bedeutet. 

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"Nur eine Kleinigkeit": Drei Mama-Lügen in einem unvollständigen Satz. Keine Nebensache sind z.B. die Wäscheberge, die täglich zu bewältigen sind.
 
"Eine" Kleinigkeit? Von wegen!
 
Dabei ist die Wäsche nur ein Beispiel, eine von ganz vielen Tätigkeiten, die sich zu vielen, vielen Arbeitsstunden im Mama-Alltag aufsummieren. Arbeitsstunden? Ja, richtig, das ist Arbeit und nicht mal etwas "nebenbei"!

Schon gar nicht, weil es mit "einer" der mutmaßlichen Kleinigkeiten nicht getan ist. Denn im Familienalltag liegt normalerweise nicht nur eine einzelne Tätigkeit an, die man in Ruhe abarbeiten kann, um sich dann mit mutmaßlich schneckenähnlicher Bedächtigkeit, die den Mama-Alltag angeblich ach so beschaulich macht, der nächsten zuzuwenden. Schön wär's!

Bei uns sieht das eher so aus (siehe meinen WMDEDGT-Beitrag): Während ich unsere Küstenkinder anziehe, versuche ich, die Wäsche (!) und Socken vom Vortag einzusammeln, das Spielzeug, das unbedingt mit in den Kindergarten soll, wiederzufinden, das dazugehörige Kind ob des Verlustes zu trösten, die Wettervorhersage zu checken, an das Geschwistergeschenk zu denken, die WhatsApp zum Spieledate heute Nachmittag zu beantworten und die entliehenen Bücher für die Bücherei einzustecken. Garantiert hat jedoch auch der Küstenpapi (mindestens) eine Frage, die Küstenkatzen Hunger und das andere Kind einen Wutanfall. Eigentlich müsste ich mich auch selbst anziehen, vom Haare-Machen ganz zu schweigen, meiner Freundin eine Trostschokolade einpacken und selbst endlich mal einen großen Kaffee trinken. Es ist früher Morgen, und ich bin schon das erste Mal "durch".

Warum: Weil eben nicht nur eine Kleinigkeit ansteht, sondern ganz viele. Die jede für sich nicht groß zu sein scheinen, jedoch alle wichtig sind, damit wir morgens überhaupt aus dem Haus und zum Kindergarten bzw. zur Arbeit kommen. Und die alle auf einmal bzw. in einem sehr dichten, wenn auch nicht kleinen Zeitfenster stattfinden. Tsja, und so geht das weiter, bis ich am Ende des Tages Hunderte von "Kleinigkeiten" erledigt habe, wenn nicht - zumindest gefühlt - Tausende.  

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"Nur eine Kleinigkeit": Drei Mama-Lügen in einem unvollständigen Satz. Auf Küstenkidsunterwegs zeige ich, warum all die vermeintlich kleinen Dinge im Familienalltag mit Kindern eben nicht unwichtig, unbedeutend und bloße Bagatellen sind. Ein Plädoyer für mehr Wertschätzung der Mütter bzw. Eltern und der Arbeit zu Hause!

Nicht nur eine Kleinigkeit

Versteht mich nicht falsch: Ich mache das alles gern, zumindest den größten Teil davon. Und ja, in gewisser Hinsicht habe ich mir das auch so ausgesucht. Ich würde es nicht nur wieder machen, ich mache es faktisch auch immer wieder: Jeden Tag auf's Neue.

Doch es ist eben nicht "nur eine Kleinigkeit":

Es ist kein "nur", es ist wichtig.

Es ist nicht "eine" Kleinigkeit, es sind viele, hunderte, manchmal gefühlt tausende, und zwar jeden einzelnen Tag aufs Neue.

Und es sind keine "Kleinigkeiten". Sie sind wichtig, groß, von Bedeutung, jede für sich und schon gar alle zusammen. Weil sie unser Familienleben ausmachen, weil es ohne sie ein Familienleben in dieser oder einer ähnlichen Form gar nicht gäbe.

Und deshalb machen mich diese drei Wörter wütend, besonders die Bewertung, die darin steckt. Die Leugnung, die Herabwürdigung, die Verkleinerung, die Bagatellisierung: Das haben all diese Tätigkeiten, das haben die Arbeit und das Leben zu Hause und mit den Kindern, das habe ich nicht verdient.

Das Familienleben ist etwas, das ganz viel Kraft, Aufmerksamkeit, Nerven und Zeit kostet. Es ist etwas, in dem ungeheuer viel Sorgfalt, Kümmern, Achtsamkeit und vor allem ganz viel Liebe stecken. Das alles zu bewältigen und zu geben ist viel, nicht wenig; es ist groß, nicht klein.

Und mehr noch: Neben den essentiellen Dingen wie Wäsche, Mahlzeiten und dem puren Überleben ist es gut, dass die Kids und und ebenso wir Eltern Freunde, Verabredungen, Hobbys, Picknicke, Geburtstagsfeiern und Ausflüge haben. Es ist schön, dass es bei uns Kinderbücher, Spielzeuge und auch mal ein Eis extra gibt. Es ist wertvoll, dass wir Katzen zum Streicheln, Spielen und Umsorgen haben, auch wenn die natürlich ebenfalls Arbeit machen. Es ist wichtig, dass wir ein volles, rundes Leben haben. Doch das gäbe es nicht ohne all die Kleinigkeiten.

Hören wir auf, uns etwas vorzumachen. Hören wir auf, anderen etwas vorzumachen: Der dahingeworfene Satz "Ach, das ist doch nur eine Kleinigkeit!" ist eine fette Lüge.

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Ihr seid keine Kleinigkeit

Und noch etwas: IHR seid ebenfalls keine Kleinigkeit. Ihr Lieben, die Ihr alle den Familienalltag stemmt und das Leben für Euch, Eure Kinder und Eure Familien schön macht. Ich rufe Euch zu: Was Ihr tut, ist wertvoll und wichtig, und alles andere als eine Kleinigkeit!

Lasst Euch nicht klein machen, macht Euch selbst nicht klein.

Ihr seid keine Kleinigkeit - und selbstverständlich schon gar nicht.

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Wie seht Ihr das? Ebenso oder ganz anders? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare und Meinungen!

Ahoi, wir segeln gemeinsam

Eure Küstenmami

 
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Kommentare :

  1. Gut geschrieben. Danke dir,
    Marion ("nur" ein 5 Personen Haushalt ;-) )

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    1. "Nur" ist gut - meinen höchsten Respekt!

      Viele liebe Grüße
      Deine Küstenmami

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