Mittwoch, 6. April 2016

Urlaub mit Kindern: Wunderschöne Erinnerungen

 
Moin, Ihr Lieben,
 
so langsam gewinnen wir wieder etwas Boden unter den Füßen, auch wenn das schwer ist. Ich arbeite auch schon wieder etwas, doch es kostet alles noch viel Kraft, und so bin ich dankbar, noch auf einen tollen Gastbeitrag zurückgreifen zu können, damit Ihr in meiner Auszeit etwas Schönes zu lesen habt.
 
Diesmal erfahrt Ihr von Sabrina, wie schön ein Urlaub mit Kind sein kann - und die Erinnerungen daran (fast) noch schöner.
 
Sabrina ist Diplom-Sozialpädagogin und lebt mit ihrer Familie in Moers am Niederrhein. Ihre Zeit verbringt sie am liebsten mit ihrer fast vierjährigen Tochter, ihrem Mann Daniel und dem Familienhund Paul. Ihren witzigen und herzerfrischenden Blog Claralabim hat sie vor etwa einem Jahr angefangen; dort  geht es um Alltägliches, Lustiges und Skurriles, eben rund um das gesamte Familienleben.
 
In ihrem Gastbeitrag nimmt sie uns mit auf eine kleine Zeitreise und einen Gedankenspaziergang…
 
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„Das Schönste am Urlaub ist die Erinnerung daran“
(Gerald Dunkl, *1959; österreichischer Psychologe und Aphoristiker)
Ich hatte das große Glück, als Kind viele Urlaube erleben zu dürfen. Meine früheste Erinnerung war der Urlaub mit meinen Eltern in Varel in Friesland. Die Tochter der Besitzer der Wohnung, in welcher wir den Urlaub verbrachten, hatte einen Puppenwagen, den mein Herz begehrte. Wahrscheinlich hatte ich noch kein wirkliches Unrechtsbewusstsein, denn ich nahm mir einfach diesen Puppenwagen. Auch ohne Puppe drin. Die Klopapierrollen, die da im Regal standen, taten es auch. Mit dem Wagen voller Klopapier stolzierte ich dann über den Hof…bis der Besitzerin auffiel, dass ich mit ihrem Wagen abgehauen war…
Die nächste Erinnerung ist die an Elmau, am Wilden Kaiser in Österreich. Dort war ich mit meinen Großeltern, die schon Jahrzehnte immer wieder auf den gleichen Bauernhof fuhren. Ich weiß noch, dass ich am Abend vorher kaum einschlafen konnte. In der Nacht, gegen 3 Uhr fuhren wir los. Meine Großeltern machten eine Musikkassette an, auf der auch der „Ententanz“ war. Wir machten zwischendurch immer wieder Rast. Aßen die Schnittchen, Eier und Tomätchen, die meine Oma vorher in die Kühltasche gepackt hat. Ich erinnere mich an die Bäuerin, die Haare bis zum Popo hatte, die sie jeden Morgen geflochten hat und sich um den Kopf wickelte. Die mich mit in den Hühnerstall nahm, wo wir die Eier einsammelten. Meine Oma, welche mir immer die Haut von der frischen, warmen Milch herunternahm, weil ich die ekelig fand. An die schmale Treppe, die in den kalten Keller führte, in der die Bäuerin die Zitronenlimo aufbewahrte, deren Geschmack ich noch heute auf der Zunge habe. Ich erinnere mich, an unsere Restaurantbesuche, bei denen eine „Frittatensuppe“ immer als Vorspeise her musste und an den Kaiserschmarrn, den wir uns als Nachtisch teilten…
Als ich in die Schule kam, erzählte mir eine Freundin, sie fährt auf ein Ferienlager mit der Kirche. Auf eine einsame Insel! Das machte mich neugierig, meine Eltern erkundigten sich und das Ende vom Lied war, dass ich angemeldet war und diese Freundin nicht mehr wollte. Ich fuhr trotzdem. Auf dem Abenteuerspielplatz, wo wir mit einem Floß durch einen schlammigen Teich fuhren, verlor ich beim Herunterfallen meine pinke Wassersandale mit silbernem Glitzer, weil sie auf dem Grund im Schlamm stecken blieb. Der schönen pinken Glitzersandale trauere ich noch heute manchmal hinterher…
Das nächste Ferienlager ging nach Kärnten. Mein jüngerer Cousin kam diesmal auch mit und auch dort gab es viele lustige Begebenheiten, von denen wir noch heute oft erzählen. Ich erinnere mich aber auch noch genau an das Päckchen, das meine Eltern mir dorthin schickten, weil ich Geburtstag hatte; an den Brief, den sie dazulegten und die goldenen Schleifchen – Ohrringe in der kleinen Schachtel. Nach drei Wochen Ferienlager holten uns mein Onkel, meine Tante und meine Cousine ab und wir machten drei weitere Wochen Urlaub in Kärnten. Ich schlief in der Stube; das Bett unter einem Fensterbrett, an dem ich mir morgens regelmäßig den Kopf gestoßen habe. Ich erinnere mich, wie kalt der See war, wenn man erhitzt von der Sonne dort rein sprang. An den Eismann, der mit den Eiskugeln jonglieren konnte…
Warum erzähle ich das alles so ausführlich? Weil ich bei der Idee zu diesem Artikel vorher viel darüber nachgedacht habe, welche Urlaubserinnerungen die prägendsten für mich waren. Und es waren weniger die Erinnerungen an die Reise und das Ziel an sich, sondern eher an all die kleinen Begebenheiten und „Begleitumstände“ dieser Urlaube. Und ich stelle fest, dass auch wir unserer Tochter bisher keine Fernreisen oder großen Urlaube geboten haben und dass dennoch jeder einzelne Urlaub mit ganz bestimmten Gefühlen und Erinnerungen verknüpft ist.
Claralabim war zehn Monate alt, als wir das erste Mal verreisten. Und dann gleich eine Flugreise. Es ging gemeinsam mit uns und Oma und Opa nach Kraukau.  Sie drückte sich die Nase an der Scheibe im Flughafen platt, um sich die großen Flugzeuge anzusehen.
Sie konnte zu dem Zeitpunkt gerade laufen und hatte Spaß daran,  ihre Welt zu erkunden. Wir brauchten gefühlte fünf Stunden für eine Strecke von 300 Metern. Aber: Sie lief. Und sie war glücklich! Jeder Stein musste aufgehoben, jedes Blatt genauestens betrachtet werden.
Sie liebte es aber genau so, in der Ferienwohnung auf dem Sofa zu sitzen und stundenlang in ihren Büchern zu blättern; ihre Puppe durch die Gegend zu schleppen; verschiedenes Essen zu genießen; Zeit mit ihrer Oma, ihrem Opa und ihrem Onkel zu verbringen, der ganz spontan auch noch für ein paar Tage vorbeikam. Den Abend und die Nacht vor unserem Rückflug verbrachten wir in einem Hotel und Claralabim konnte nicht genug davon bekommen, mit der Oma auf dem pompösen Hotelbett zu toben. Ihr Lachen habe ich noch heute in den Ohren…
 
Der nächste Urlaub führte uns ein wenig weiter weg. Es ging auf eine Finca nach Mallorca. Zu dem Zeitpunkt war Claralabim siebzehn Monate alt. An unserem ersten Abend fuhren wir in den Ort und sie sah das Meer und den Strand. Sie lief jauchzend durch den Sand und ihre Freude war ihr so sehr anzusehen, dass die Leute stehen blieben und sich daran erfreuten.
Sie konnte stundenlang mit dem Papa im Pool in ihrem Böötchen fahren. Gemeinsam gingen sie durch den großen Garten der Finca und brachten Orangen, Zitronen, Melonen und Granatäpfel mit. Sie aß jeden Tag mindestens zwei Mal Eis, mit allen Sinnen und genoss auch oft einfach das faule Nichtstun.
 
 
 
Der Urlaub ging zu Ende, der Winter kam und als es dann langsam wieder Frühjahr wurde, fuhren wir einfach mal für einen Tag in die Niederlande an das Meer. Durchatmen. Mit Paul, unserem Hund am Strand toben, Muscheln sammeln, Pommes und Frikandel essen, abends wieder zurück nach Hause fahren.
Den Sommer darauf ging es für ein paar Tage an die Mosel. Das Wetter spielte leider nicht so mit, aber für Claralabim gab es genug zu entdecken. Und wir „schrieben“ gemeinsam die ersten Postkarten für die Familie und eine an uns selbst, die dann zu Hause im Briefkasten auf uns wartete.
Über Silvester fuhren wir eine Woche in das Sauerland; in eine kleine und gemütliche Ferienwohnung bei Winterberg. Claralabim baute ihren ersten Schneemann. Wir fuhren mit dem Schlitten kleine und größere Hügel herunter. Paul versank fast im Schnee. Silvester wollte sie unbedingt bis Mitternacht wach bleiben. Wir bestellten eine Riesen-Pizza, trugen Partyhütchen und machten ein Tischfeuerwerk, das wir im Anschluss eine gefühlte Stunde wieder auffegen mussten. Um 23 Uhr war Claralabim so müde, dass sie einschlief.
 
Kurz vor ihrem dritten Geburtstag musste ich beruflich für eine Woche nach Texel. Mein Mann, Claralabim und Paul kamen mit; wir nahmen uns ein Ferienhaus und tagsüber ging ich arbeiten, während die Drei Zeit auf der Insel verbrachten. Aber wir hatten auch Zeit für uns. Wir lagen eingemummelt am Strand und ließen unsere Nasen von der Sonne kitzeln. Wir rollten uns durch den Sand. Schauten den Leuchtturm aus der Nähe an. Schafe versperrten uns auf unserer Fahrt über die Insel den Weg und wir mussten warten, bis sie die Straße frei machten. Claralabim ließ mit ihrem Papa einen Drachen steigen. Papa kaufte sich eine Sonnenbrille und natürlich wollte sie auch eine Sonnenbrille haben. Wie stolz sie damit durch die Fußgängerzone flanierte…
 
Der Sommer kam und auch ein weiterer Urlaub nach Mallorca. Gemeinsam mit Oma, Opa und Uroma wohnten wir auf einer schönen Finca im Norden Mallorcas. Claralabim konnte stundenlang mit der Oma im Pool planschen. Wenn wir abends am Strand einen Cocktail tranken und der Sonne bei ihrem Untergang im Meer zuschauten, tobte sie durch den Sand. Sie liebte es, sich am Tag von ihrem Papa bis zum Kopf darin einbuddeln zu lassen. Sie baute Sandburgen, backte Sandkuchen. Auf Ausflügen schob sie ihren Opa, der nicht mehr so gut zu Fuß ist, im Rollstuhl. Sie nahm ihn bei der Hand, wenn er ein Stück laufen wollte. Sie erklärte ihm, wie man Memory spielt. Wenn wir einkaufen gingen, musste für jeden irgendetwas Besonderes im Wagen sein. Die Enten, die auf dem Grundstück nebenan wohnten und die man über einen kleinen Zaun sehen konnte, bekamen unser trockenes Brot. Der Katze, die immer erst am Abend auf die Terrasse kam, stellte sie einen Teller Milch hin. Sie machte sich gerne mit fünfundzwanzig Haarspangen in den Haaren schick und zog ihre schönsten Kleider an…
Der letzte Urlaub war über Silvester in einem kleinen 250-Seelen-Dorf in der Eifel. Als wir aus dem Auto ausstiegen und man die gute Landluft schnuppern konnte, meinte sie nur ganz trocken: „Das stinkt mir in der Nase!“ Dass sie Kälbchen füttern und dem Bauern beim Melken zusehen durfte, entschädigte sie dann scheinbar wieder…
Wenn man das so liest, sind das alles keine besonders großen Abenteuer, die wir mit Claralabim in Urlauben erleben. Aber es sind bedeutende Momente für uns als Familie. Zeit füreinander und Zeit miteinander zu haben. Die vielen kleinen Augenblicke zu genießen und auszukosten, die wir uns schaffen. Diese Momente besonders zu machen und als Erinnerung abzuspeichern. Verbunden mit den Gefühlen wie Liebe, Geborgenheit, Zusammenhalt, Freiheit und Glück.
Ich wünsche mir für unsere Tochter, dass sie im Laufe ihres Lebens viele dieser schönen Erinnerungen abspeichern kann. Dass sie den Duft in der Nase hat, wie es riecht, wenn man an einem anderen Ort aus dem Auto oder Flugzeug steigt. Dass sie sich immer vor Augen halten kann, wie schön die Sonne aussieht, wenn sie im Meer versinkt. Dass sie den Wind in ihren Haaren spüren kann, wenn sie daran denkt, wie sie an der rauhen See entlangläuft. Dass sie den Geschmack von Salz auf der Zunge hat, wenn sie an das Meer denkt. Dass sie sich später daran erinnern kann, wie gerne sie mit Paul durch den Sand gelaufen ist und wie wasserscheu er doch war. Dass sie sich an die Abende erinnern kann, an denen wir gemeinsam auf der Terrasse gesessen, gegessen, gespielt und gelacht haben. Ich wünsche mir, dass sie Urlaube mit allen Sinnen wahrnehmen und erinnern und diese Erinnerungen wie Schätze hüten kann; für die Zeiten im Leben, in denen man genau solche Erinnerungen als Balsam für die Seele braucht. Das wünsche ich unserem kleinen Mädchen…
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Danke, liebe Sabrina, das wünsche ich Eurer Claralabim auch, ebenso wie Euch allen als Familie!
Ihr Lieben, was sind Eure schönsten Urlaubserinnerungen?
Sitzt und träumt schön - ich werd's auch versuchen!
Eure Küstenmami

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