Mittwoch, 30. März 2016

Urlaub mit Kindern: Krank sein mit Zimmerservice

 
Moin, Ihr Lieben!
 
Heute könnt Ihr den ersten Gastbeitrag aus der Reihe "Urlaub mit Kind" lesen, mit dem mich die liebe Jessi vom Blog Terrorpüppi während meiner Auszeit unterstützt.
 
Jessi promoviert hauptberuflich an einer Berliner Uni und ist die Mutter der Terrorpüppi, die diesem wunderbaren Blog ihren Namen gegeben hat. Terrorpüppi ist ein erfrischend ehrlicher und selbstbewusster Mom-Blog, der mal lustig, mal ernst, mal informativ und mal völlig subjektiv daherkommt. Bei Jessi dreht es sich alles um das Leben mit Kind, Doktorarbeit und Job - und wie schwierig es doch manchmal ist, das und noch viel mehr unter einen Hut zu bringen. Vereinbarkeit von Beruf und Familie war für Jessi früher nie ein Thema - bis sie schwanger wurde und genau das zu ihrem Thema gemacht worden ist.
 
Heute schreibt sie über einen Urlaub mit Kind, der ganz anders als geplant verlaufen ist - "aber was macht das schon", wie sie selbst sagt ;)
 
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Kranksein mit Zimmerservice – Oder auch: Der erste Urlaub mit Baby
Im Radio läuft immer wieder diese Werbung über ein Wellness-Hotel in Brandenburg. Seit Jahren höre ich immer wieder mal davon. Ich scheine wohl der Zielgruppe zu entsprechen, seit Jahren schon. Dabei pflastern die gar nicht die ganze Stadt zu, sondern scheinen eher ausgewählt Werbung zu machen und Familien mit Kinder sprechen die auch nicht explizit an. Aber das ist ja auch egal.
Als mein Mann also plötzlich vor mir steht und fragt, ob wir nicht für ein verlängertes Wochenende dorthin fahren wollen, weiß ich zumindest schon mal, um was es geht. Der Mann lockt mit einem super Special Angebot: Super tolles Komfort-Zimmer; Whirlpool, Sauna und Pool, bekocht werden, raus aus dem Alltag. Alles für vergleichsweise wenig Geld, sofern wir sofort zuschlagen. Da das Wellnesshotel nur anderthalb Stunden von uns entfernt liegt und es sich ja „nur“ um ein verlängertes Wochenende handelt (Donnerstag bis Sonntag), sage ich ohne groß Nachdenken zu.
Es ist das erste Mal, dass wir als Familie zusammen wegfahren und woanders übernachten. Die Püppi ist jetzt 15 Monate alt. In den ersten Lebensmonaten wäre eine Fremdübernachtung noch undenkbar gewesen, denn abends und nachts hat sie damals viel geweint. Sehr laut geweint. Okay, trommelfellzerschmetternd geweint.
Es ist soweit. Wir fahren los. Trotzdem. Fit sind wir nämlich nicht. Die Terrorpüppi hat Fieber, nicht besorgniserregend hoch, aber es schlaucht sie. Mein kleines starkes Mädchen hängt in den Seilen. Kaum sind wir im Hotel angekommen, hänge auch ich durch. Schüttelfrost. Den Mann hat es ebenfalls erwischt, wenngleich nicht so heftig wie uns Mädels.
Den gesamten Donnerstag verbringen wir auf unserem Zimmer. Nur zum Essen verlassen wir unsere Räumlichkeiten. Der Freitag sieht ähnlich aus, nur dass wir uns da auch zu Spaziergängen hinaus wagen. Krank sein ist echt moppelkotze, aber in einem Wellness-Hotel ist es trotzdem erträglich. Wir müssen nicht kochen und putzen, sondern dürfen mehr krank sein als sonst. Es geht uns allen glücklicherweise vergleichsweise schnell besser. Zwar sind wir noch immer sehr schlapp, aber das Fieber scheint auch Urlaub machen zu wollen. Woanders. Weg von uns.
Wir haben tatsächlich ein spitzenmäßiges Zimmer bekommen. Ein Eckzimmer mit zwei Balkonen. Wäre es nicht März, würden wir dort tagsüber zu dritt in den Liegen schlafen oder einfach die Sonne genießen. Abends hätten wir Paarzeit und könnten miteinander Rotwein trinkend quatschen, während die Püppi im großen Bett schläft.

Es ist aber März, also verbringen wir immer nur kurze Zeit eingekuschelt in dicken Decken auf dem Balkon. Frische Luft inhalieren und den Ausblick genießen – und dann schnell wieder rein ins Warme.
Am Samstag geht es uns Dreien zumindest so gut, dass wir uns tollkühn in den Wellnessbereich des Hotels wagen. In Bademänteln gehüllt, stapfen wir – zahlreiche Umwege nehmend – durchs Hotel. Natürlich Umwege, denn die Püppi hat Bewegungs- und Entdeckerdrang, egal ob sie krank oder gesund ist. Besonders angetan haben es ihr die gläsernen Fahrstühle, die durch die Lobby düsen. So fahren wir also in unsere Bademäntel gekleidet, für alle gut sichtbar, stetig hoch und runter. Hoch und runter... und nochmal: hoch und runter. Zwischendurch steigen wir aus und stromern durch die Gänge. Die Püppi erkundet jede Ecke des Hotels.
Wir haben Glück. Im Hotel sind überall Menschen mit Bademänteln. Es ist schließlich ein Wellness-Hotel und fast alle hier sind allein wegen der Erholung da, die sie in der an das Hotel angeschlossenen Therme suchen. Wir fallen nicht sonderlich auf. Eher entlocken wir sowohl den anderen Gästen als auch dem Personal vielfach ein Lächeln. Die Püppi fühlt sich wohl und erträgt ihren Infekt gleich sehr viel besser. Wenn sie doch noch weinerlich ist, nehme ich meinen kleinen Brocken ins Tragetuch. Wenn mein Rücken zu sehr schmerzt, übernimmt der Papa. Wir sind seltsam entspannt. Alles kann, nichts muss. Wir machen immer nur, was uns gerade gut tut. Ums Essen kümmert sich das Hotel, ums Putzen auch.
 
Den großen Innenpool haben wir die meiste Zeit für uns allein. Die meisten Hotelgäste sind im Saunabereich oder draußen. Da wartet ein beheizter Pool, doch ehe man diesen erreicht, muss man zuerst einige Meter durch die Kälte laufen. Wir bleiben lieber drin, ist eh entspannender, denn da sind wir ja allein, während es draußen schon eng wird.
Die meiste Zeit aber verbringen wir entweder in unserem Zimmer oder ganz draußen. Frische Luft und so. Samstagabend fühlen wir uns so gut, dass wir uns zu einem italienischen Restaurant trauen. Es ist großartig. Die Püppi will nichts von dem essen, was auf dem Tisch gelandet ist, überall stehen Dinge rum, die sie umschmeißen könnte, der Laden ist knackevoll und selbstverständlich will die Püppi nicht am Tisch sitzen, sondern das Lokal erkunden. Das alles macht nichts. Die Kellner bestehen darauf, dass wir Eltern endlich mal in Ruhe essen. Sie würden auf die Maus achten. Natürlich bleiben wir Elterntiere nicht seelenruhig die ganze Zeit sitzen, aber die Tatsache, dass dieses Restaurant voller Menschen so unglaublich entspannt ist, während gleichzeitig eine Terrorpüppi den Laden unsicher macht, nimmt uns viel Anspannung und gibt uns im Gegenzug sogar etwas Entspannung. Das Essen ist im Übrigen sehr lecker, auch wenn ich das meiste davon kalt genieße. Erstaunlicherweise geht auch kein Geschirr zu Bruch. Nichts wird durch die zahlreich aufgestellten Kerzenständer in Flammen gesetzt. Niemand stürzt. Ich bewundere die Leichtigkeit und tänzerischen Qualitäten der Kellner. Von denen kann ich noch viel lernen. 4 Teller tragend, der Püppi im letzten Moment ausweichend und immer ein Lächeln auf den Lippen. Wir hingegen wollen keine Umstände machen, versuchen die Püppi Richtung Tisch zu bewegen, doch wir bekommen immer wieder nur zu hören: „Das ist doch ein kleines Kind, lassen Sie sie ruhig. Die muss sich doch bewegen dürfen“. Recht haben sie ja irgendwie, aber in Deutschland bin ich diese Denke gerade in der Gastronomie nicht gewohnt. Außerdem ist meine kleine Püppi wirklich sehr energiereich und ich will Rücksicht nehmen. Doch irgendwie will keiner, dass ich das tue.
Das Wochenende verlief überhaupt nicht wie geplant, aber was macht das schon. Wir haben das Beste aus unserer Situation gemacht. Sogar ein Ausflug in einen nahegelegenen kleinen Tierpark war drin. Wir hatten wenig Verpflichtungen. Eigentlich nur diejenige, dass es der Püppi und uns gut geht.
 
...und am Sonntagnachmittag waren wir so fit, dass wir auf dem Heimweg sogar noch einen Ausflug in die Biosphäre Potsdam gemacht haben. Allerdings nur als Plan B. Eigentlich wollten wir auf einen Lama-Hof, doch der hatte leider zu.
 
*** 
Ja, so kann Urlaub mit Kind auch sein! Vielen Dank, liebe Jessi, für Deinen originellen und witzigen Text!
 
Ich wünsche Euch eine schöne Wochenmitte
 
Eure Küstenmami

1 Kommentar :

  1. OOh, da verbringen wir jedes Jahr ein langes Wochenende...allerdings ohne die laufenden Einmeterelf. Ob mit oder ohne: dicke Empfehlung auch von mir!

    NadineM
    berliner kinderzimmer

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