Montag, 11. Juli 2016

"Ia!" oder Die Schönheit des Rosts. Maultiere und mehr am Strand von Blavand


Moin, Ihr Lieben!
 
Eigentlich wollte ich einen ganz anderen Post schreiben. Einen, der zwar auch über unsere Erlebnisse im Dänemark-Urlaub berichtet, in dem ich aber einen Überblick gebe, über all die Strände und anderen schönen Stellen, die man in und um Blavand genießen und an denen man etwas mit Kindern unternehmen kann.
 
Dieser Post kommt auch noch, versprochen!
 
Doch als ich anfing, die Bilder des ersten Strands, den ich im Sinn hatte, durchzusehen und mir dazu Notizen zu machen, merkte ich: Das ist etwas ganz Besonderes, das verdient einen eigenen Blogpost! Denn obwohl es viele tolle Strände bei Blavand und an der gesamten Westküste Dänemarks gibt, ist dieser Strandabschnitt einmalig und unvergleichlich.
 
 
Der Grund dafür liegt in der Kombination von Kunst und Natur, die man dort findet. Beide haben ihre ganz eigene Ästhetik und wegen beiden lohnt es sich, dort hinzufahren und genauer hinzuschauen. Und das möchte ich jetzt mit Euch zusammen tun.
 
***
 
Wenn Ihr hier schon länger mitlest, wisst Ihr: Ich liebe Dänemark, unter anderem, weil es einfach ein herrliches Strand-Land ist. Besonders an der Nordseeküste gibt es Sandstrände, die einfach zum Umfallen schön sind. Unglaublich weit, sauber, kinderfreundlich und teilweise menschenleer. Wenn wir in Dänemark ankommen, müssen wir immer gleich am Anreisetag unbedingt an den Strand flitzen, so wenig können unsere Küstenkinder und ich es erwarten, über die letzte Dünenreihe zu stürmen und aufs Meer zu blicken. Ich habe Euch in meinen früheren Dänemark-Berichten ja schon die Strände bei Bjerregard, Söndervig, Hvide Sande, Blokhus, Nörre Lyngby und Lönstrup gezeigt.
 
 
Doch an diesem Strandabschnitt von Blavand, zwischen dem Skippervej und dem Lille Strandvej, gibt es MAULTIERE. Und zwar Maultier-Skulpturen, die auf ganz eigentümlich Art und Weise zusammengesetzt sind. Einerseits als Mahnmal, andererseits als Hoffnungsträger geschaffen, liegt ihr Wert nicht nur in ihrer auffallenden Gestaltung, sondern auch in der Einstellung, die sie vermitteln. Die Ästhetik ihres kantigen, rostigen, verwitternden Äußeren offenbart sich eher auf den zweiten Blick - und genau das unterstützt das, wofür sie stehen, und macht sie für mich faszinierend.
 
 
Die Maultier-Skulpturen stammen von dem britischen und übrigens noch lebenden Künstler Bill Woodrow. Es gibt insgesamt vier von ihnen; sie tragen den bezeichnenden Namen "Riding into the sea". Die Maultiere stehen seit 1995 am Strand vom Blavand, seit dem 50. Jahrestag der Befreiung Dänemarks.
 
Ihre Grundlage, ihr Fundament besteht aus dem, was die Schrecken des 2. Weltkrieges symbolisiert: Den Bunkern, die man überall an der Nordseeküste von Blavand bis Thyborön findet. Sie sind Teil des so genannten Atlantikwalls, der als Verteidigungslinie das von den Deutschen besetzte Dänemark gegen eine Invasion aus Großbritannien sichern sollte.
 
 
Bislang fand ich die Bunker in Dänemark immer hässlich. Pottenhässlich! Sie standen für mich für Krieg, Vernichtung und den Verlust unzähliger Menschenleben. Auch wenn sie uns, gerade mit den Kindern, öfters Windschutz geboten haben oder man von oben den Sonnenuntergang besonders gut sehen konnte, empfand ich ihre Gegenwart stets als bedrückend.
 
Mit den Maultier-Bunkern am Strand von Blavand jedoch ist eine wundersame Wandlung passiert. Sie sind für mich der absolut überraschende Beweis, dass Bunker auch schön sein können - wenn man sie in den richtigen Kontext setzt.
 
 
Bill Woodrow hat für jeden der 4 Bunker nur zwei Elemente gebraucht, um ihnen eine andere, neue Bedeutung zu geben: Einen Kopf und einen Schwanz aus Metall. Damit sind sie zu Maultieren geworden: Friedliche, fleißige Arbeitsgesellen, die mit dem Unheil des Kriegens meerwärts ziehen. Mehr noch: Maultiere können sich als Kreuzung aus Pferd und Esel nicht fortpflanzen - der Krieg und seine Auswüchse sollen nicht reproduziert werden. 
 
 
Dazu trägt auch der sich langsam abzeichnende Verfall der Kunstwerke, die eines Tages im Meer versinken werden, bei. Sie sind von einer Patina aus Rost und Verwitterung überzogen, aber das verleiht ihnen in meinen Augen nur noch mehr Charme.
 
 
Die Maultier-Bunker erinnern also an den Schrecken des Krieges, haben ihn aber überwunden. Sie brechen in die Zukunft auf, die bezeichnenderweise im Meer zu liegen scheint, und geben damit den Menschen, die die furchtbare Zeit des 2. Weltkriegs hinter sich lassen, sie aber nicht vergessen sollen, neue Hoffnung.
 
 
Mehr noch: Die Menschen freuen sich daran! Wie viele habe ich getroffen, die diese Figuren spannend fanden, und extra dafür diesen Strandabschnitt besucht haben... Und unser Küstenjunge erst :) Vom Krieg weiß er glücklicherweise noch nichts, ebenso wenig wie von der früheren Funktion der Bunker. Für ihn sind die Maultier-Skulpturen einfach "IA! IA!", also Esel, und er und unser kleines Küstenmädchen haben begeistert zwischen ihnen gespielt, während ich fotografierte.
 
 
Ihr merkt schon, ich habe richtig viele Fotos gemacht, um die Schönheit der "IAs", aber auch der Natur drumherum einzufangen. Denn ein bestechender Reiz besteht in den Kontrasten, die die Kunstwerke zusammen mit dem Strand und der Umgebung zu bieten haben: Der rot-braune Rost vor dem blauen Himmel, die gewaltigen und doch vergänglichen Bunker neben oder bereits im unendlichen Meer, die Gräueltaten des Krieges neben dem Frieden der Natur.
 
 
Ich hätte übrigens nie gedacht, dass Rost so schön sein kann! Und dass aus schreckensbeladenen Relikten der Vergangenheit Botschafter für den Frieden bzw. die Zukunft werden können!
 
 
Außerdem ist die Natur hier einzigartig und ebenso das, was die Menschen damit gemacht haben. Hier - und sonst meines Wissens nirgends in Blavand - findet man nämlich am Strand Holzpfähle, die in langen Reihen das zu starke Aufschlagen der Wellen bei Sturm und das Abtreiben des Sandes zu verhindern suchen. Auch sie tragen zur Ästhetik dieses Strandabschnittes und dem Wechselspiel von Natur und Kultur bei.
  

Holz ist ja ein Naturmaterial. In diesem Fall wurde es von Menschenhand bearbeitet und eingesetzt - aber durch Wind und Wetter holt es sich die Natur zurück. Ich bin gespannt, wie es hier in ein paar Jahren aussieht!
 
 
Der Küstenjunge und der Küstenpapa hatten hier jedenfalls Spaß, wie man sieht :)
 

*** 
Und demnächst stelle ich Euch auch die anderen Strände vor, die wir in und um Blavand besucht haben!
 
Könnt Ihr meine Begeisterung nachvollziehen? Kennt Ihr auch so einmalige Kunst- und Naturwerke?
 
Eure Küstenmami

 
PS: Wenn Ihr mögt, folgt mir doch auf Facebook und Instagram! Dort poste ich öfter mal Bilder, aus unserem Urlaub, vom Leben am Meer, aber auch sonst :)

Kommentare :

  1. Ach gerade habe auch ich einen Sehnsuchtspost veröffentlicht - und nun sehe ich hier Deine Bilder und die Sehnsucht wird noch größer...ich will zurück an die Nordsee!
    Wirklich tolle Aufnahmen - besonder die von Deinem Küstenjungen zwischen Eselschwanz und Bunker...wirklich schön!!
    Liebe Grüße, Anna

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    1. Vielen lieben Dank, Anna! Das mit der Sehnsucht kann ich so gut verstehen - komm, lass uns die Koffer packen und zusammen hinfahren ;)

      Viele liebe Grüße
      Deine Küstenmami

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