Montag, 2. Mai 2016

Mal raus aus der Trauer: Mein Monatsmotto im Mai 2016

Stein am Strand von Strande
 
Moin, Ihr Lieben!
 
Es ist doch so: Es lässt einen nie los. Nie ganz jedenfalls. Auch wenn man sich noch so sehr bemüht.
 
Neulich war ich auf einer Veranstaltung. War guter Dinge, unterhielt mich, traf nette Leute. Ging zum Büfett, häufte mir den Teller voll. Man, sah das lecker aus! Die Frau neben mir lächelte: "Dann lasst es Euch mal schmecken!" Euch? Ich drehte mich um, aber da stand niemand. "Na, Du isst doch für zwei", stellte sie mit einem Blick auf meinen Bauch fest.
 
WUMM.
 
Da war es wieder. Da war ich wieder. Ja, nur ich. Ich alleine. Nicht wir, nicht mein Baby und ich. Nur ich und mein leerer Bauch, der aber noch voll aussah. Ich fühlte mich unglaublich elend.
 
Ich konnte nicht mehr, ließ meinen Teller stehen, rannte raus, um erst zu spucken und dann zu weinen. Mit meiner Selbstbeherrschung, mit meiner guten Laune, mit allem, was ich mir von diesen zwei Stunden erhofft hatte, war es vorbei. Ich weinte, bis eine gute Freundin kam und mich in den Arm nahm. Und danach weinte ich noch lange weiter.
 
Dabei war das gar nicht mal böse gemeint. Im Gegenteil, wahrscheinlich sogar nett. Die Dame am Büfett hatte einfach nicht Bescheid gewusst - woher auch? Ich habe ja schließlich kein Schild um den Hals: "Habe mein Kind verloren, bitte nicht dran rühren." Oder: "Bin endlich mal auf andere Gedanken gekommen, bloß nicht rausreißen."
 
Ja, ich sehe noch schwanger aus. Ich bin es aber nicht mehr. Diese Diskrepanz schmerzt unglaublich, jeden einzelnen Tag. Und ich vermisse mein Baby, mein Küstenmini; es ist, als ob ein Teil von mir fehlt. Selbst wenn ich es vergessen wollte, es ginge gar nicht. Mein Körper erinnert mich ständig daran, schon allein bei so normalen Sachen wie dem täglichen Anziehen (mir passt nix) oder dem Tragen von schwereren Gegenständen (es zieht immer noch im Bauch).

***
Es ist auch nicht so, dass ich es vergessen will, jedenfalls nicht ein für allemal. Nein, natürlich will ich mein Sternenkind, mein Küstensternchen, nicht vergessen. Es ist mein Kind, das ich liebe und immer in meinem Herzen tragen werde, wenn auch nicht auf meinem Arm.
 
Aber das ganze Elend, die Trauer und die Traurigkeit, die will ich schon gern manchmal vergessen. Ab und zu möchte ich fröhlich sein und das Leben genießen. Weil ich ohnehin oft genug dasitze und weine, besonders abends, wenn die Kinder schlafen. Weil ich auch noch etwas anderes bin und sein will, als nur Traurigkeit. Weil ich es auch gar nicht aushalte, ständig nur zu weinen, weil ich dann untergehe in einem Meer von Traurigkeit.
 
Wie ich hier schon schrieb, brauche ich einen Ort zum Trauern, und ich brauche Zeit zu trauern. Aber ich möchte nicht immer und überall trauern. Ich brauche auch Zeiten und Orte, wo ich einfach nur ich sein kann, wo ich guten Mutes und entspannt das Hier und Jetzt genießen kann. Denn das bin auch ich - und dieser Teil von mir soll nicht völlig verschwinden.

***
Ab und an muss ich also mal raus aus der Trauer. Doch wie fange ich das an? Eine gute Freundin hat vorgeschlagen, dass ich bewusst Dinge unternehme, die mir gut tun.

Das kann z.B. sein: 
 
* Etwas für meinen Körper tun. Denn der hat in letzter Zeit gelitten und braucht dringend ein paar Wohltaten, um wieder auf die Beine zu kommen. In der Sonne liegen, eine Massage genießen, ein Bad nehmen, etwas Schönes anziehen. Alles, was mir hilft, mich wieder wohler in meiner Haut zu fühlen, ist gut.
 
* Aktiv werden. Spazieren gehen, wenn es jetzt wieder wärmer wird und das Wetter gut ist. Im Garten arbeiten, in der Erde wühlen, Pflanzen setzen. Sport machen und mich bewegen, was das Zeug hält. Auch wenn das noch schwer fällt, wird es mit der Zeit besser gehen; und danach fühle ich mich jedesmal neu belebt.
 
* Mit meinen Küstenkinder besondere Dinge unternehmen. Damit meine ich nicht den Alltagstrott, sondern Erlebnisse, die jenseits des Alltäglichen liegen und die wir ganz bewusst zusammen genießen. Bei denen wir es uns gut gehen lassen und glücklich sind. Das kann auch etwas ganz einfaches sein; Hauptsache, es bringt Freude. Neulich am Meer war so ein Moment.
 
* Apropos Meer: Einfach nur am Strand zu sitzen und aufs Meer zu gucken, ist Erholung pur. Je öfter, desto besser!
 
* Sich mit Freundinnen und Freunden treffen. Ob am Meer oder woanders. Denn gute Gesellschaft tut einfach gut. Mit denen, die mir vertraut sind, kann ich reden, wenn ich will, aber auch schweigen oder lachen, ganz nach Bedarf.

***
Ob das so klappt? Denn "mal raus aus der Trauer" trägt die Trauer (zumindest als Wort) schon wieder im Namen. Doch ich kann es zumindest versuchen, es mir vornehmen. Deshalb mache ich das zu meinem Monatsmotto; frei nach Sonjas Devise, dass ein Motto auch dazu dienen kann, sich "wieder neu auszurichten" und "Wünschen und Zielen einen Namen zu geben".



(Bildquelle: http://www.wertvoll-blog.de/2016/05/umzug-mit-kernsanierung-monatsmotto-mai.html)

Wenn Ihr mehr Monatsmottos lesen wollt, schaut mal auf ihrem wunderbaren Blog vorbei!

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Was ist Euer Motto für den Monat Mai? Was sind Eure Wünsche und Ziele, was habt Ihr Euch vorgenommen? Ich freue mich, von Euch zu lesen!

Eine gute Woche wünscht Euch

Eure Küstenmami

Kommentare :

  1. Liebe Küstenmami,
    ich wünsche dir, dass du ganz oft raus aus der Trauer kommst. Hoffentlich scheint bei euch momentan auch so schön die Sonne, mir geht es bei Sonnenschein immer gleich etwas besser.
    Ich denk an dich, liebste Grüße
    Sternie

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    1. Moin, liebe Sternie, das stimmt, bei Sonnenschein ist das Leben zumindest etwas leichter. Am besten ich kombiniere den mit einem Spaziergang am Meer - und mit einem Ausflug mit meinen Küstenkindern, dann tut das gleich doppelt und dreifach gut!

      Ganz liebe Grüße
      Deine Küstenmami

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  2. Nicht vergessen und trotzdem weiterleben, lieben und loslassen - fühl dich gedrückt!
    Liebe Grüße,
    Sonja

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  3. So traurig und ehrlich erzählst du von deinem Verlust, bewegend und in wunderschönen Worten. Ein Gefühl, das wohl keine Mutter nachvollziehen kann, der nicht gleiches passiert ist. Eine Geschichte, die bei allen anderen nur ein Gefühl auslösen kann: tiefste Anteilnahme. Hab' viel Kraft weiterhin, die dir sicher auch die wunderschöne Natur oben im Norden schenkt! Liebe Grüße von Mit-Mompreneur Stefanie

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    1. Vielen Dank für Deine guten Wünsche, liebe Stefanie. Die Natur und vor allem das Meer helfen mir tatsächlich... und dass es so viele liebe Menschen gibt, die an uns denken; das hätte ich nie gedacht und das tut echt gut!

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  4. Liebe Küstenmami!
    Ich habe deine Zeilen um euer Küstenmini tief bewegt gelesen. Es tut mir von Herzen leid, dass ihr einen solchen Verlust erleben musstet. Wir selbst haben unser Sternenbaby in der 6 SSW und unsere Himmelstochter in der 36 SSW hergeben müssen. Der Schmerz hat einen Anfang, aber kein Ende. Aber er wird milder. Bei uns ist es "schon" 2 bzw. 3 Jahre her, dass wir loslassen mussten, obwohl wir so gerne festgehalten hätten. Mittlerweile ist unser Erdensöhnchen gesund und lebendig bei uns gelandet und bringt viel Sonne in unser Leben zurück. Aber unsere ersten beiden werden immer fehlen und das dürfen sie auch. So wie euer Küstenmini werden sie immer einen Platz im Herzen haben, so wie unsere Erdenkinder auch.
    Auch wenn wir uns nicht kennen, fühle ich mich dir verbunden und umarme dich unbekannterweise herzlich.
    Liebe Grüße (gerade auch vom Meer)
    Und viel Kraft zum Trauern und auch zum Glücklich sein.
    Deine Helen

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    1. Vielen lieben Dank, Helen! Die Trauer ist weiterhin da, aber auch die Dankbarkeit, dass ich mein Küstenmini zumindest eine kurze Zeit in mir tragen und es liebgewinnen durfte. Oft geht beides zusammen...

      Die Umarmung gebe ich gerne zurück, wenn Du möchtest!

      Ganz liebe Grüße und alles Gute für Euch
      Deine Küstenmami

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