Mittwoch, 8. Juli 2015

Brief an meinen Bauch

 
Hallo Zusammen,
 
nein, eigentlich wollte ich schreiben: "Hallo lieber Bauch".

Denn im folgenden Post soll es um eben diesen gehen, mein so wichtiges und doch wenig gewürdigtes Körpermittelteil. Nach all den Reaktionen auf meinen Beitrag zum Körper nach der Schwangerschaft und dem, was die lieben Mitmenschen gelegentlich im Alltag so über ihn sagen, ist das mal fällig. Vielleicht sogar Überfällig.

Also lest Ihr im Folgenden den Brief an meinen Bauch:


Hallo lieber Bauch,
hallo mein lieber Bauch,
hallo mein lieber Bauch,
 
als ich neulich abends vor dem Spiegel stand und Dich gedankenverloren ansah, hatte ich plötzlich diese Idee: Ich schreib' Dir mal. Damit Du den Platz und die Aufmerksamkeit bekommst, die Du verdienst, denn Du bist richtig wichtig für mich. Mehr noch: Du bist unersetzlich, mir lieb und teuer.
 
Das geht im Alltag oft unter. Da musst Du ran, anspannen, ausgleichen, tragen und (aus-)halten. Stütze sein, mit helfen, alles zu schaffen, was im Alltag mit unseren zwei Küstenkids, Katzen, Haus und Garten so anfällt. Da hast Du's nicht leicht, wirst als selbstverständlich hingenommen und kaum beachtet.

Das war in der Schwangerschaft anders! Da wurdest Du gehegt und gepflegt, bestaunt, bewundert, manchmal sogar gefürchtet. Auf jeden Fall standest Du im Mittelpunkt, fast alle Gespräche und unser ganzes Fühlen und Handeln drehten sich um Dich.
 

 
Jetzt ist das vorbei. Wenn überhaupt, darfst Du Dir Bemerkungen anhören, und nicht immer die nettesten. "Na, der ist ja noch ganz schön groß", ist noch eine der harmloseren, die von manchen, eher (aber nicht nur) kinderlosen Menschen geäußert werden. Klar, Du bist nicht mehr so straff wie früher. Und so schlank auch nicht mehr. Hängst sogar manchmal ein bisschen durch. In dem oben erwähnten Post habe ich sogar geschrieben, dass Du noch etwas schlackerst. Darfst Du aber auch.
 
DENN DU HAST UNGLAUBLICHES GELEISTET!!!
 
Du hast zwei Schwangerschaften ausgehalten, und das ganz kurz hintereinander. Unsere zwei geliebten Kinder hast Du in Dir aufgenommen, sie ernährt, sie getragen und beschützt. Hast Dich gedehnt bis zum Äußersten, hast Dein Bestes gegeben, um sie 39 Wochen lang mit allem Nötigen zu versorgen, so dass sie in Ruhe und Geborgenheit heranwachsen konnten. All die Untersuchungen, den Ultraschall, die fremden Blicke und Hände hast Du klaglos über Dich ergehen lassen, damit ich wusste, dass es unseren Kids gut geht. Hast geholfen sie auf die Welt zu bringen, hast irre Schmerzen ausgehalten, großen Mut bewiesen und bist an Deine Grenzen und darüber hinaus gegangen.


 
Hattest kaum Zeit, Dich zu erholen: Kaum war Nr. 1, unser wunderbarer Küstenjunge, auf der Welt, kam schon Nr. 2, unser kleines Küstenmädchen, nach. Während der zweiten Schwangerschaft hast Du immer sie innendrin und ihn oft noch außendrauf getragen. Puh, ganz schön viel Gewicht, lieber Bauch. Und jetzt ist es auch nicht viel besser: Beide Kinder wollen weiter durch die Gegend und durchs Leben getragen werden. Den ganzen Tag bist Du am Arbeiten; ohne Dich ginge hier nichts, keine einzige Bewegung.
 
Und die Kinder lieben Dich, alle beide. Sie drücken sich gerne an Dich und genießen Deine Weichheit und Wärme. Kuscheln mit Dir, wann immer es möglich ist. Das war bereits in der letzten Schwangerschaft so: Wie oft hat sich der Küstenjunge an Dich gelehnt, um nach seinem kleinen Schwesterchen zu horchen, wie oft hat sie mit Tritten und Püffen geantwortet. Sie wissen, was Du geleistet hast! Innen wie außen hast Du ihnen Liebe und Geborgenheit gegeben.
 
OHNE DICH GÄBE ES SIE NICHT!
 
Und auch für mich warst und bist Du Rückversicherung und Stütze. Wenn ich unsicher wurde, konnte ich immer meine Hand auf Dich legen und die Kinder spüren. Ich konnte sehen und fühlen, wie Du und sie gemeinsam wachsen. Auch jetzt erwische ich mich noch oft mit der Hand auf Dir, Dich unbewusst streichelnd, als wäre da wieder ein kleines Wesen in Dir. Doch Du verdienst es auch so!


***
Du bist weich und kuschelig. Deine Rundung erinnert mich jeden Tag an die Schwangerschaften, die Geburten und unsere wundervollen Kinder.
Ich bin Dir unendlich dankbar.

Für mich bist Du wunderschön.
 
In tiefer Zuneigung
 
Deine Küstenmami


PS: Bettina vom Frühen Vogerl hat zu einer Blogparade zum veränderten Körpergefühl nach der Schwangerschaft unter dem Hashtag #mutterkoerper aufgerufen - da sind wir gerne dabei!
 


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